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 Games+Hörspiele : Kein Halt in Freimann Hörspiel
Geschrieben von Avenger am 13.10.2009 06:05 (789 mal gelesen)

Fränk. Ein Punk der ersten Stunde, geboren in den Sechzigern. Oder doch kein Punk? Wie viel Punk steckt in einem Normalo - oder besser, in einem Spießbürger? Oder noch besser: Wie viel Spießbürger und Normalo steckt in einem Punk? Dieser und vielen anderen Fragen geht "Kein Halt in Freimann" mal direkt, mal subtil auf den Grund - ein sogenanntes Punk-Hörspiel, das sich in der Münchener Gegend abspielt.

Nachdem der kreative Kopf Sebastian Kuboth (Punkrocknews.de, Oi!Vision, TV-Kult.com uvm.) bereits mit dem zweiteiligen Hörspiel "Kleine Fische" Achtungserfolge erzielen konnte, nahm er sich einer etwas ungewöhnlicheren Form des Hörspiels an, und zwar einer, welche von den Wechseln zwischen Fränks Monologen zu hörspieltypischen Dialogen, stellenweise untermalt oder unterbrochen von feiner, thematisch passender und fast komplett exklusiver Punk- und genreverwandter Musik, lebt.

Eben jener Protagonist (gesprochen von Schauspieler Norman Sonnleitner) lässt sein Leben in Erzählform Revue passieren und führt den Hörer - fast wie auf einer Reise - regelrecht durch selbiges. Ein Leben, geprägt von familiären und sozialen Problemen, von Alleinsein und Orientierungslosigkeit. Halt findet er sehr bald in der Punkszene, und da Fränk sich geistig stets weiter entwickelt hatte als das Gros seiner Gleichgesinnten, die teilweise mehr als zwei Jahrzehnte älter sind als er, beschleichen ihn sehr schnell Zweifel, auch gegenüber sich selbst. Einerseits machte er so ziemlich jedes Szeneklischee des Punk selbst durch, ja verkörperte es regelrecht, doch andererseits war er von den Stereotypen, der Kleinkariertheit und dem Dogmatismus dieser Szene ziemlich bald angepisst. Auch die Flucht in andere, verwandte Szenen bietet ihm nur kurzzeitig gesellschaftliches und seelisches Asyl.

Immer genervter zieht sich die Hauptfigur so langsam aus den entsprechenden Dunstkreisen zurück, führt ein immer normaleres Leben und ist nur noch sporadisch in seiner alten Musikszene aktiv dabei. Fränk hat sich quasi freigeschwommen von all den Gruppierungen und verbindet mit Punk bestenfalls die Liebe zur Musik - was ihn natürlich immer wieder mal zu Konzerten zieht. So verabredet er sich eines Tages mit alten Freunden zu einem THE GUMBABIES-Gig im Münchener Stadtteil Freimann, und just an diesem Abend bricht die Stimmung in Fränk extrem um, denn es kocht auf einmal so viel hoch - auch aufgrund des gerade Geschehenden...

Kuboth ist mit "Kein Halt in Freimann" ein Hörspiel gelungen, das gewisse Dinge intelligent hinterfragt und sehr realitätsnah rübergebracht wird - so findet man besonders nach seiner eigenen "wilden Zeit" sehr viele Parallelen zu sich selbst und der Szene, der man zugehört oder zugehörte. Das muss nicht mal der Punk sein, denn jede Szene hat so ihre typischen Eigenheiten. Zusammen mit den beiden DESTINATION: FAILURE!-Musikern Jakob Braun und Alessio Zachariades, die für die Aufnahmen und das Mastering ins Boot geholt wurden, sowie zahlreichen namhaften Sprechern (unter anderem Hansi Kraus, Eisi Gulp, Sabine Gutberlet - eine Komplette Auflistung gibt es hier) entstand ein Werk, das viel Liebe zum Detail und sehr viel Enthusiasmus in sich birgt, aber auch angenehm undergroundig rüberkommt. Vielleicht manchmal etwas zu undergroundig, da die Dialoge ab und zu etwas holprig abgelesen klingen und dadurch etwas an Natürlichkeit einbüßen, doch diese technisch nicht immer einwandfreie Umsetzung wirkt sich keinesfalls auf die inhaltliche Qualität aus - denn die stimmt.

Als kleines Schmankerl liegt dem Hörspiel eine zweite CD bei, die sämtliche angespielten Songs noch einmal in voller Länge beinhaltet. Mit von der Partie sind zum Beispiel TAXGAS, KEINSIGNAL, TOBSI, THE GUMBABIES, und die Band THE MOOSHOLZERS, welche den Titeltrack liefert, wurde sogar von FETTSOIs Tobsi eigens für das Hörspiel gegründet. Aber auch ohne dieses ansprechende Extra darf "Kein Halt in Freimann" als geglücktes Experiment tituliert werden. Wer Hörspiele vorwiegend mit "Fünf Freunde", "TKKG" und "Hui Buh" assoziiert, sollte seine Definition davon noch einmal überdenken und sich als Musikfan und Szenekritiker dieses in elf Tracks gegliederte Hörspiel mal antun - denn trotz aller fiktiver Inhalte ist manches so wahr... Chris (Autorenhomepage/ Homepage über das Hörspiel)




 

 
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