| Musikreviews : THE M.E.M.O.R.Y. LAB - The Modern Expressing Machines... |
Geschrieben von kingrandy am 19.09.2009 05:00 (494 mal gelesen)
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Schaut man sich mal an, wer sich heutzutage so alles in den DAC (Deutsche Alternative Charts) tummmelt, welche Bands auf den Szene-Festivals spielen und welche Musik in den schwarzen Clubs läuft, so drängt sich der Eindruck auf, dass der gute alte Industrial amerikanischer Machart in der Versenkung (sprich im Underground) versunken ist. Insofern kommt ein Album wie "The Modern Expressing Machines Of Revolutionary Youth Laboratory" von THE M.E.M.O.R.Y. LAB dann doch eher überraschend.
Der Bandname ist übrigens die Abkürzung des leicht sperrigen Albumtitels und dahinter stecken Marc Urselli und Nicola "The Old Nick" Curri. Urselli ist Recording Engineer, Mixer, Remixer, Produzent und Sound Designer und damit zweifacher Grammy Gewinner (Best Instrumental Pop & Best Instrumental Rock) für seine Arbeit an "American Made World Played", einem All-Star Album zu Ehren der Gitarrenlegende Les Paul. Curri ist inzwischen mehr den visuellen Künsten zugewandt, war in den 90er Jahren aber Sänger der italienischen Black Metaller FUNERAL ORATION.
Die Musik von THE M.E.M.O.R.Y. LAB stammt ausnahmslos aus den 90ern, damals erschienen ihre Songs auf verschiedenen Samplern und Analogtapes. 1999 wurde das Projekt aufgelöst. 2008 dann fand Urselli die alten Tapes wieder und entschied sich dazu, die Aufnahmen digital in einem Top-Studio in New York zu remastern. Soweit zu den Fakten. Und wie klingt das ganze? Nun, wer auf Bands wie FRONT LINE ASSEMBLY, SKINNY PUPPY, NINE INCH NAILS, PITCHSHIFTER und SWAMP TERRORISTS steht, dürfte mit THE M.E.M.O.R.Y. LAB auch eine Menge anfangen können.
Zunächst einmal fällt aber der saugute, fette Sound auf, dass die Songs mindestens zehn Jahre auf dem Buckel haben, hört man der Produktion in keiner Sekunde an. Da hat Urselli wirklich bewiesen, dass er ein Meister seines Fachs ist. Den Songs selber hört man ihr Alter allerdings an, denn der Stil ist typisch 90er: das Fundament sind sowohl straighte, als auch gebrochene Beats, vom stumpfen Four-To-The-Floor der Neuzeit ist man jedenfalls meilenweit entfernt. Das Gerüst stellen pluckernde Sequenzer und flächige Synthiesounds, darüber liegen Samples, die harten, energischen Gitarren sowie die oft derbe Stimme von The Old Nick. Seine Black Metal-Vergangenheit schimmert öfter mal durch und verleiht dem Sound zusätzliche Aggression. Dezente Darkwave-Einflüsse bilden einen schönen Kontrast.
Das mit sakralen Orgeln startende und dann vehement abgehende "Another Nail Into The Cross" ist das Highlight dieser Zusammenstellung, das düstere "Divine Eating" und das garstige "Mind Rape (Government's Business)" stehen kaum nach. Das mit Tribalrhythmen und ruhigen Momenten bipolar wirkende "To Go All The Way" und das aggressive "A Bad Dream (The Wrong Dream)" sind ebenfalls Songs, die der Ü30-Fraktion der schwarzen Szene bestens einlaufen sollten. So ist "The Modern Expressing Machines Of Revolutionary Youth Lab" ein soundmäßig hervorragender Trip in eine Vergangenheit, in der man noch keine Gedanken an neonfarbene Haarteile und "Fick mich"-Lyrics verschwendete. Andy (D-Trash Records/ Bandhomepage)
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