Geschrieben von Nephilia am 14.09.2009 06:04 (2105 mal gelesen)
Es gibt Alben, bei denen man von Anfang an Einflüsse hört, aber sie nicht richtig platzieren kann, weil sie so perfekt in einem neuen Gesamtsound verschmelzen. Man weiß nicht ganz wieso, aber man findet das, was man hört, einfach irgendwie gut. Im Falle von THE STATIC AGE bin ich mir wirklich nicht sicher wie man darauf kommt, diese Art von Musik zu machen, aber der ästhetische Wert von "i/o" lässt kaum Zweifel an der Qualität zu.
Etwas gewundert habe ich mich aber schon. Die Vocals zum Beispiel erinnern ein wenig an STING und ROBERT SMITH, klingen aber dennoch vor allem samtig weich. Das dann gefühlvoll vermischt mit Post Punk, Keyboards und softem Alternativerock ergibt eine gewöhnungsbedürftige, aber magische Mischung. Diverse Anflüge von THE CURE sorgen für Leichtigkeit in einer eher melancholischen und bittersüßen Grundstimmung. Eigentlich ist "i/o" eines dieser Alben, die sich vorsichtig von hinten anschleichen: Klammheimlich und leise ist es erstmal unbemerkt, aber wenn man es bemerkt, ist es längst um einen geschehen. Was einen dann regelrecht anspringt, sind ein hoher künstlerischer Anspruch, äußerst melodiöser Sound und kleinlaute, aber sehr große Emotionen. Nicht zu vergessen die Liebe zum Detail: Erst nach mehrfachem Hören fallen die filigranen Gitarrenlinien und interessanten Drum-Effekte wirklich auf. Ebenso verhält es sich mit den durchaus vorhandenen Ecken und Kanten.
THE STATIC AGE haben eines der harmonischsten und homogensten Alben aufgenommen, die ich seit langem gehört habe. Verwirrung gibt es trotzdem: Auch nach der sechsten Runde, die der Silberling in meiner Anlage gedreht hat, kann ich nicht genau sagen, was für eine Stilrichtung sie eigentlich spielen. Aber vielleicht ist das auch nicht nötig. Sie spielen einfach in einer eigenen Liga - zumindest für mich. Miriam (Flix Records)