| Interviews : Komor Kommando - Auf 11 wie Spinal Tap! |
Geschrieben von kingrandy am 23.05.2009 06:05 (930 mal gelesen)
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Wer sich in den letzten Jahren mit EBM, Electro und Industrial beschäftigt hat, ist um den Namen SEBASTIAN R. KOMOR nicht herum gekommen. SEBASTIAN war mit ANDY LAPLEGUA (jetzt COMBICHRIST) bei ICON OF COIL tätig, steckt hinter ZOMBIE GIRL und BRUDERSCHAFT, hat diverse Szene-Acts produziert und unzählige Remixe angefertigt. Seine neuesten Projekte heißen MELT und KOMOR KOMMANDO, mit letzterem hat er vor kurzem die erste EP mit dem eindeutigen Titel "Das EP" veröffentlicht (Review hier). Genug interessante Themen also, um SEBASTIAN mit unseren Fragen zu löchern.
01. Hi Sebastian und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag nachträglich. Wo und wie hast du gefeiert?
Danke, aber ist noch gar nicht zu spät, der 7. Mai ist der Tag. Ich werde irgendwohin gehen, wo der Spaß heute Abend fließt.
02. Oh... egal. Glückwunsch auch zur "Das EP", die in meinen Augen wirklich großartig ist. Was ist die Intention hinter deinem Projekt KOMOR KOMMANDO?
Danke. Es geht einfach nur darum, "Spinal Tap" zu sein: 11! Pastellschwarz, schwärzer geht’s nicht. Man sollte es so laut wie es nur geht genießen. Vom Beat angetrieben. Es geht einfach darum, die Leute dazu zu bringen, sich den Arsch abzutanzen; darum, dabei wahnsinnigen Sex zu haben - einfach alles, wo es darum geht, einen Schub Adrenalin oder Energie zu bekommen. Diese ganzen Sounds und Beats warteten einfach darauf, aus den Windungen meines Hirns und meines Computers befreit zu werden.
03. Und worauf legst du dann beim Komponieren der Songs besonderen Wert, auch bei anderen Projekten?
Atmosphäre und Seele. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Musik, die man macht, weil man weiß, dass die Leute sie hören wollen und der Musik, die man wirklich machen will. Es ist toll, positives Feedback für die eigene Arbeit zu bekommen, Fans auf der ganzen Welt zu haben, die die Musik zu schätzen wissen, aber wenn man letztendlich keine Musik um der Musik Willen macht, sondern für den Ruhm und das Rampenlicht, dann sollte man es genießen, solange es geht.
04. Wann können wir denn mehr KOMOR KOMMANDO-Material erwarten?
2009
05. Sehr schön. Du bist auch stark damit beschäftigt, andere Acts zu produzieren. Was bevorzugst du: Produzent zu sein oder Musiker und warum?
Im Moment habe ich genug davon, die Musik anderer Leute zu produzieren. Es macht Spaß und ist auch eine Herausforderung, aber jetzt muss ich mich erst einmal auf meine eigene Musik fokussieren. Mein Kopf wird nochmal platzen, wenn ich meine ganze Ideen nicht in Songs stecke, manche Songideen und Texte sind schon über acht Jahre alt, ich denke es ist an der Zeit, dass diese Sachen nun meine volle Aufmerksamkeit bekommen. MELT ist eines dieser Projekte. Viele Songs sind schon fertig und an vielen wird gearbeitet.
06. Bekannt geworden bist du mit ICON OF COIL. Was ist denn da Stand der Dinge? Wird es zukünftig nochmal neues Material geben? Oder ist Dein und ANDYs Fokus auf den anderen Dingen, die ihr macht?
Sollte es zukünftig nochmal ICON OF COIL-Material geben, werde ich an der Arbeit daran nicht beteiligt sein. Ich habe heutzutage andere Prioritäten. Ich habe viel Zeit damit verbracht, IOC zu dem zu machen, was es musikalisch nun ist. Dafür mussten viele andere Sachen zurückstehen, das ändert sich ja jetzt. Aber versteh mich nicht falsch, ich bin wirklich stolz auf das, was ich mit IOC gemacht habe.
07. Besonders in Deutschland ist ANDY ja mit COMBICHRIST ziemlich erfolgreich. Was denkst du darüber? Manchmal vielleicht ein bisschen neidisch?
Haha, nein, wirklich nicht. Ich habe gehört, dass ein paar Leute so was gesagt haben und alles was ich dazu sagen kann, ist, dass mich solche Leute nicht wirklich kennen. Bezüglich COMBICHRIST: hey, es läuft für ihn, gut für ihn. Ich habe bezüglich seiner Arbeit wirklich kein Gefühl des Neids, ganz im Gegenteil. Ich bin ziemlich glücklich mit dem, was ich heutzutage mache. Musikalisch ist jede Menge los. Alles zu seiner Zeit, alles zu seiner Zeit.
08. Was sind denn die wichtigsten Länder, Märkte und Szenen für deine Musik?
Ich erachte eigentlich die ganze Welt als gleich wichtig. Aber natürlich gibt es kleinere und größere Märkte. Überflüssig zu erwähnen, dass Deutschland und die USA die größten Märkte sind, genau wie Asien. Europa ist generell sehr wichtig. Ich denke, dass das Label noch mehr auf das iTunes-Pferd setzen sollte und nicht nur darauf warten und erwarten sollte, dass die Leute die CD kaufen.
09. Kannst Du eigentlich die Projekte, an denen du arbeitest, in eine Rangfolge der Wichtigkeit bringen?
Ich glaube nicht an Rankings oder Listen jedweder Art, wenn es um Musik geht, besonders nicht bei meiner eigenen. Jede Musik, an der ich arbeite, ist gleich wichtig. Zur Zeit arbeite ich aber an MELT und KOMOR KOMMANDO. Ich habe gerade einen KK-Remix eines KMFDM-Stückes fertig gemacht, habe einen Remix für SOLITARY EXPERIMENTS gemacht und andere Sachen in der Richtung. Und ein paar Filmmusiken habe ich auch gemacht.
10. Du hast ja auch schon mit vielen anderen Künstlern zusammengearbeitet. Welche von denen sind in deinen Augen unterbewertet oder nicht so bekannt, wie sie aufgrund ihrer Musik vielleicht sein sollten?
In einer Zeit von Hypes und Trends wäre das eine ziemlich unverlässliche Aussage. Ich habe in letzter Zeit wirklich gutes Zeug gehört. Ich sage den Leute dann "Hey, eure Musik ist toll, guckt, dass ihr mehr Tracks zusammen bekommt." Ich würde empfehlen, mal Bands wie LEFT SPINE DOWN, DRONE, DAEDAL und IVARDENSPHERE anzutesten, die erste und die letzten beiden sind Kanadier, die zweite ist eine amerikanische Band. Ehrlich gesagt habe ich zuletzt kaum Musik aus der sogenannten Szene gehört, ich finde da im Moment einfach nicht viel, was interessant wäre, ich fühle mich, als würde ich immer und immer wieder den gleichen Song hören.
11. Welche Pläne hast du für den Sommer? Stehen Festival-Auftritte an? Oder gehst du selber auf welche?
Nächstes Wochenende bin ich als ICON OF COIL beim Kinetik Festival in Montreal. Eigentlich sollte ich mit IOC auch auf dem Wave Gothik Treffen sein, aber ich habe beschlossen, an dieser Show nicht teilzunehmen. Ich plane, viel Musik zu schreiben und mit Freunden abzuhängen. Den Sommer einfach genießen, wobei es höchste Priorität hat, mit dem MELT-Album fertig zu werden.
12. Bezüglich deiner Karriere: worauf bist du am meisten stolz?
In musikalischer Hinsicht keine Kompromisse eingegangen zu sein. Für ein paar meiner Lieblingsbands, die mich auch musikalisch beeinflusst haben, Remixe gemacht zu haben, macht mich sehr stolz. Und gefragt worden zu sein, ob ich das neue ALPHAVILLE-Album produzieren würde, ist eine große Ehre für mich. Der IOC-Gig im Whisky A GoGo ist auch auf der Liste. Wobei die Musik, an der ich derzeit arbeite, etwas ist, das mir sehr am Herzen liegt.
13. Gibt es auch etwas, dass du bereust oder gerne rückgängig machen würdest?
Ja, sicher. Nicht viel, nur ein paar Wahlen, von denen ich wünschte, dass ich sie nicht getroffen hätte, dann würden die Dinge jetzt ziemlich anders liegen, aber es gibt keinen Grund, in der Vergangenheit zu verweilen.
14. Ein paar kurze Fragen zum Schluss... magst du das neue DEPECHE MODE-Album?
Nein, tue ich nicht. Als DM-Fan tut es fast schon weh, das zu sagen, aber ich weiß echt nicht, was da im Studio los war. Auf dem Album gibt es gerade mal zwei Songs, die ich mochte, der Rest... mmmm. Könnte verdammt nochmal bitte jemand MARTIN GORE einen Drink geben und ALAN WILDER zurückholen? Ich erwarte ja gar kein "Violator"-mäßiges Album, darum geht es nicht, aber es ist einfach uninteressant.
15. Gut, dass ich bisher nicht reinhören wollte. Drei existenzielle Alben für dich?
Skinny Puppy – The Process Nine Inch Nails – Broken Korn – Life Is Peachy
16. Welche Platte zuletzt gekauft?
Die Korn.
17. Welches Konzert zuletzt besucht?
ALPHAVILLE vor 16.000 Leuten in Berlin, gleiche Location, wo RAMMSTEIN "Live aus Berlin" aufgenommen haben.
18. Die drei schlechtesten Songs, die du je gehört hast?
Könnte ich nicht sagen. Ich verschwende meine Energie nicht damit, mir furchtbare Songs zu merken.
19. Die drei verrücktesten Leute, mit denen du gearbeitet hast?
Definiere verrückt. Was für den einen verrückt ist, ist für andere fantastisch.
20. Danke fürs Interview, die letzten Worte gehören dir!
Yabadabadoo!
Andy
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