| Interviews : Distance In Embrace - Emos und Heulsusen in Feinripp-Buxen.. |
Geschrieben von kingrandy am 17.05.2009 06:05 (1262 mal gelesen)
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Wenn die Verbindung aus Punk, Metal und Hardcore aus Deutschland stammt, kann man schon fast davon ausgehen, dass man hohe Qualität serviert bekommt. Man denke nur an Bands wie HEAVEN SHALL BURN, CALIBAN, MAROON oder NAERA. Aber auch aus dem Underground kommen jede Menge beachtenswerte Metalcore-Acts. Einer davon nennt sich DISTANCE IN EMBRACE und der Vierer aus dem ostwestfälischen Minden hat gerade mit "To Hell With Honesty!" ein starkes Album abgeliefert. Wir sprachen mit Sänger und Gitarrist ADRIAN über die Zukunftsaussichten seiner Band.
01. Hallo nach Minden. Wie geht’s? Was liegt an?
Hallo! Danke, alles im grünen Bereich, ich kann nicht klagen.
02. Glückwunsch zum neuen Album erstmal. Wie fühlt es sich eigentlich an, den Großen des Genres (HEAVEN SHALL BURN, CALIBAN, MAROON) im Nacken zu sitzen?
Haha, ich glaube weder die genannten Bands noch wir selber haben das Gefühl, dass wir ihnen im Nacken sitzen. Das sind schon ganz andere Welten, in denen diese Bands sich bewegen. Wir hatten durch unsere Arbeit mit ALEXANDER DIETZ ja die Gelegenheit zu beobachten, was bei HEAVEN SHALL BURN so an der Tagesordnung ist. Da geht so einiges, was wir uns nicht mal träumen lassen würden. Demnächst kommt ja deren neue DVD raus, jeder der da mal reinschaut, weiß was ich meine.
03. Besonders gut hat mir auf "To Hell With Honesty!" die Gitarrenarbeit gefallen. Wer sind da die Vorbilder diesbezüglich?
Vielen Dank für die Blumen! Also direkte Vorbilder, sprich bestimmte Gitarristen, habe ich eigentlich nicht. Aber sehr inspiriert hat mich immer das Gitarrenzusammenspiel von Bands wie THRICE oder auch DAYS IN GRIEF.
04. Beschreib mal eure musikalische Bandbreite in deinen eigenen Worten.
Das ist schwierig. Wir haben uns diesbezüglich eigentlich nie eingrenzen lassen, sondern immer die Musik gemacht, die uns am meisten Spaß gemacht hat: eine bunte Tüte aus allen möglichen Stilrichtungen der härteren Gangart. Unsere Wurzeln sind sicherlich im Punkrock zu finden, da wir damals mit Skatepunk angefangen hatten, eine Hardcore-Komponente hat es dabei immer schon gegeben. Langsam hat sich die Bandbreite dann um Metal und Screamo erweitert. Ich denke der Begriff Post-Hardcore ist relativ passend.
05. Warum wollt ihr eigentlich alle Ehrlichkeit zum Teufel jagen?
Hehe, das wollen wir gar nicht, sie wird es doch schon . Mit dem Albumtitel beziehen wir uns ein bisschen auf die Art und Weise, wie manche Kids sich in der Szene verhalten. Du hast bestimmt auch bemerkt, dass heutzutage - besonders in der sog. Metalcoreszene - längst nicht mehr die Musik im Vordergrund steht. Viele gehen aus ganz anderen Gründen auf Konzerte, da geht es um sehen und gesehen werden. Die Jungs machen einen auf dicke Hose, die Mädels klatschen sich tonnenweise Schminke ins Gesicht. Was heutzutage auf manchen Shows abgeht, hat nichts mehr mit dem zu tun, wofür Hardcore steht, nämlich gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme. Natürlich wollen wir das nicht verallgemeinern, es handelt sich hierbei ja auch nur um einen Teil der Szenekids. Allerdings ist dieser Teil in den letzten Jahren immer größer geworden, zumindest haben wir das Gefühl.
06. Und wie seid ihr auf euren Bandnamen gekommen, was soll der bedeuten?
Beim Bandnamen handelt es sich um eine Textzeile aus einem alten Song von uns. Ich bin leider der falsche Ansprechpartner wenn es darum geht, wie wir auf den Namen gekommen sind. Zum Zeitpunkt der Bandbenennung waren wir alle gerade im Studio, um unser Debut "The Consequence Of Illusions" aufzunehmen. Ich musste einen Abend weg und die anderen drei blieben im Studio. Als ich am nächsten Tag wiederkam wurde ich vor vollendete Tatsachen gestellt: "Der alte Name ist scheiße. Wir heißen jetzt Distance In Embrace.". Aber ich bin damit sehr einverstanden gewesen, der Name spiegelt - denke ich - ganz gut die Gegensätze wider, die wir auch in unserer Musik haben.
07. Inhaltlich und musikalisch scheinen Gegensätze tatsächlich eine große Rolle bei euch zu spielen. Warum?
Das hängt zum einen mit den musikalischen Vorlieben der einzelnen Bandmitglieder zusammen und zum anderen damit, wovon die Songs handeln. Textlich gesehen sind wir die absoluten Emos und Heulsusen . Jedenfalls geht es meist um persönliche Erfahrungen und zwischenmenschliche Dinge. So gegensätzlich wie solche Erfahrungen gefühlsmäßig sein können, sollte auch die Musik sein, die wir machen. Kontrastreich eben.
08. Ihr macht Musik, die derzeit immer noch recht angesagt ist. Screamo oder auch Metalcore ist ja eine Art Trend und wir wissen, dass jeder Trend irgendwann zu Ende geht und dann nur noch die Besten ihrer Art dabei sind. Wann glaubt ihr wird dieser Prozess der Selbstreinigung einsetzen? Das Genre ist ja jetzt schon extrem überlaufen. Oder seht ihr das anders?
Ist das noch angesagt? Ich verliere da den Überblick, ich glaube mittlerweile sind andere Sachen der heiße Scheiß, oder nicht? Aber prinzipiell hast du sicherlich recht. Es gibt in dem Genre abertausende Bands, aber die gibt es in anderen Stilrichtungen auch. Ehrlich gesagt kümmert uns das reichlich wenig. Wir haben seit der Gründung der Band einfach das gemacht wozu wir Bock hatten. Ob Trend oder nicht war uns dabei erst mal egal. Das Wichtigste dabei ist, einfach immer am Ball zu bleiben. Es gründen sich täglich neue Bands, täglich lösen andere sich auf. Weiter kommt man da nur wenn man mit Beständigkeit bei der Sache ist.
09. Eine eigene Einschätzung: wie wird es in fünf bis zehn Jahren um DISTANCE IN EMBRACE stehen? Oder anders: was sind eure mittel- und langfristigen Ziele?
Gute Frage. Kann ich dir leider nicht beantworten, heutzutage kann man schwer einschätzen, wie die Musikwelt sich verändern wird. Als Band kannst du da eh nicht großartig planen. Wir werden einfach weiterhin dabei bleiben und unsere Musik machen. Ein wichtiges Ziel dabei ist natürlich eine stetige Weiterentwicklung, dass man nicht auf der Stelle tritt. Aber wer weiß, was in zehn Jahren ist. Vielleicht hängt die Gitarre dann ja schon längst zur Zierde an der Wand und ich sitze in Feinripp-Unterwäsche auf meiner Terrasse, trinke Apfel-Feige-Tee, während ich die Börsenkurse in der FAZ studiere, haha!
10. Und was liegt noch alles in 2009 an? Größere Tour in Aussicht?
Im Sommer wollen wir zunächst ein Video drehen. Im September wird es dann auf Tour gehen, zusammen mit LONGING FOR TOMORROW und PRESENCE OF MIND.
11. Wie sieht es eigentlich um die Beschaffenheit der Band aus? Seid ihr alle dicke Freunde oder doch mehr Zweckgemeinschaft?
Also NIKO (Gitarre) und ich kennen uns seit der 5. Klasse und haben gemeinsam auch unsere ersten musikalischen Gehversuche gemacht. ROBIN (Drums) kam später hinzu, und SÖREN (Bass) ist seit 2006 mit dabei. Klar sind wir untereinander eng befreundet, ich glaube, sonst ließe sich das alles noch viel weniger aushalten. Natürlich ist es mitunter auch anstrengend, Woche für Woche dieselben Visagen zu sehen, das geht nicht immer reibungslos ab.
12. Wenn man in Minden lebt, hat man doch eigentlich nur die Chance, eine Band zu gründen, um etwas zu erleben, oder? 
So ungefähr. Ich wohne zur Zeit auch in Hannover, NIKO ist von uns der einzige, der noch in Minden wohnt. Aber Minden hat eigentlich schon immer eine sehr vitale Musikszene gehabt, es gab schon immer viele Bands und Konzerte, auf die man als kleiner Dötz gehen konnte. Es haben hier auch schon so manche Größen auf der Bühne gestanden, wie z.B. METALLICA oder ganz früher auch mal NOFX. Wer das nicht glaubt wirft mal einen Blick in das Booklet von der „S&M Airlines“, da steht es Schwarz auf Weiß. Musikalisch gesehen ist Minden allerdings wohl eher für CURSE (deutscher Rapper, d. Verf.) bekannt.
13. Vielen Dank fürs Interview, die letzten Worte gehören dir.
Auch wir haben zu danken für das Interview. Bleibt nur noch zu sagen: kauft das neue Album und kommt zu unseren Shows, sonst setzt's was, haha!
Andy
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