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 Musikreviews : KONTRAST - Vision und Tradition
Geschrieben von kingrandy am 02.11.2008 07:03 (862 mal gelesen)

Das Quartett KONTRAST bezeichnet sich selbst als elektronische Tanzkappelle und macht seinem Namen insofern alle Ehre, als das die Jungs sich selbst weniger ernst nehmen, als so manch anderer Act der schwarzen Szene. Auch mit genretypischen Klischees gehen sie - ähnlich wie die Kollegen von MELOTRON - nicht hausieren und bewegen sich auf recht ähnlichem musikalischem Terrain. "Vision und Tradition" ist Album Nummer drei und wäre die Welt gerecht, würden KONTRAST damit ihren Bekanntheitsgrad erheblich erhöhen können.

Denn es gelingt scheinbar mühelos, abwechslungsreich und phantasievoll arrangierte Songs und viel Gefühl miteinander zu verbinden. Einen nicht unwesentlichen Anteil am Erfolgsrezept hat die prägnante Stimme von Sänger ROBERTO, der sprachlich ausgefeilte Texte mit viel amüsantem Wortwitz zum Besten gibt. Die galante Verarbeitung der Trennung von einer Frau in "Für immer vorbei" ist da nur ein Beispiel von vielen. Umso unverständlicher, dass es gleich drei Instrumentale auf "Vision und Tradition" gibt, die auch noch direkt aufeinander folgen und zwischendurch den Fluss ein wenig bremsen.

Auch wenn Songs wie die Futurepop-Persiflage "Durchbruch" oder die harte Industrialnummer "Dunkle Gestalten" zum Tanzen animieren, so überwiegen in der Summe die eher beschaulichen, sanften Töne. Hier und da werden die Songs ein bisschen in die Länge gezogen, da folgen noch zwei Minuten, obwohl schon alles gesagt ist. Mehr Kritikpunkte konnte ich nicht feststellen, dafür umso mehr tolle Tracks, wie die sprachlich witzige Reminiszenz "80er Jahre" oder das minimalistische "Lichtbildkunst", welches durch Gastsängerin NEBELGEIST lasziv veredelt wird. "Deutsches Land" nimmt klar Position gegen rechts, während der Titeltrack sich in DDR-Romantik ergießt. Besondere Erwähnung gilt zwei Stücken kurz vor Ende der Platte: zum einen "Nebelschwaden", was mehr Hörspiel als Song ist und durch beklemmende Bildhaftigkeit wirkt, sowie "Der Prophet", welches den Wahnsinn Wissenschaft lebhaft vertont.

Abgerundet wird das musikalisch hochwertige Album durch das auffällige Coverartwork. Fans von AND ONE, WELLE:ERDBALL oder eben MELOTRON sollten sich dringend näher mit KONTRAST beschäftigen, ich verspreche ein Hörvergnügen besonderer Art. Als Einstieg dürfte die superb gestaltete Homepage ihren Zweck mehr als erfüllen. Andy (Danse Macabre Records)




 

 
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