| DVD+Kino : Go DVD |
Geschrieben von Anacrusis am 29.07.2008 07:00 (618 mal gelesen)
|
Es ist immer wieder erstaunlich wie lange es manchmal dauern kann bis ein Film offiziell in Deutschland veröffentlicht wird. "Go" ist so ein Paradebeispiel. Der Film von Regisseur Isao Yukisada ist bereits 2001 in Japan erschienen und bisher nur für wenige Kundige, im Spätprogramm des freien Fernsehens in Deutschland, zu sehen gewesen. Daher ist es umso erfreulicher, dass dieses gelungene Werk nun endlich als Kauf-DVD vorliegt. Diese Mischung aus Drama, Komödie und Liebesfilm in rasanten Bildern liegt zum Glück ohne Synchronisation vor. Jeder Untertitel-Hasser wird nun verzweifelt aufschreien, doch gerade da liegt doch der Reiz oder meint hier allen Ernstes jemand, dass deutsche Synchronstimmen gut zu japanischen Filmen passen?
Die Story handelt vom jungen Sugihara (Yosuke Kubozuka), vom Erwachsenwerden, der Liebe und vor allem von seiner Suche nach der eigenen Identität. Sugihara ist nämlich ein so genannter "Zainichi" - ein in Japan aufgewachsener (Nord-)Koreaner und heißt eigentlich Lee. Im ersten Teil des Filmes lernt der Zuschauer schnell, dass es im modernen Japan nicht einfach ist eine bikulturelle Identität zu besitzen. Schon gar nicht wenn man ein Koreaner ist. Sugihara hat seit jeher von seinem Vater (Tsutomu Yamazaki), einem ehemaligen Profiboxer, gelernt sich durchzusetzen, aber auch einzustecken. Durch eine bestandene Mutprobe schaffte er sich schließlich Respekt bei seinen Landsleuten, nur um diesen kurze Zeit darauf wieder zu verlieren. Sugihara möchte nämlich die koreanische Schule und deren sozialistischen Drill verlassen und auf die japanische Schule wechseln, was ihm somit wieder den Unmut seiner Landsleute einbringt. Nur sein Freund Jong-Il (Takto Hosoyamada) hält weiter zu ihm. Auf der neuen Schule darf er sich wieder beweisen und vor allem wieder prügeln um sich Respekt zu verschaffen. Irgendwann begegnet er dem alltäglichen Rassismus und den dummen Bemerkungen über seine Herkunft mit Gewalt. Eigentlich hasst er schlagen und kämpfen, aber was er noch mehr hasst, ist geschlagen zu werden.
Auf einer Party seines ersten japanischen Freundes, dem Sohn eines Yakuza-Bosses, lernt er dann ein japanisches Mädchen kennen. Sugihara und Sakurai (Kou Shibasaki, "Battle Royale") kommen sich in der nächsten Zeit immer näher und es entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden Jugendlichen. Es scheint als würde Sugihara langsam die Sonnenseiten des Lebens kennen lernen. Doch schon kurze Zeit später wird sein Leben wieder erschüttert. Sein Freund Jong-Il wird erstochen, als er einem Mädchen zu Hilfe kommen möchte und als er Sakurai von seiner koreanischen Herkunft erzählt, zerbricht auch die Liebe zwischen dem jungen Paar. Sakurai sieht, bedingt durch ihre Erziehung, Koreaner als Menschen zweiter Klasse mit unreinem Blut an. Sugihara steht vor dem Scherbenhaufen seiner kleinen Welt, doch er ist ein Kämpfer und gibt so schnell nicht auf...
Regisseur Isao Yukisado hat sich mit "Go" einem heiklen und immer noch allgegenwärtigen Thema in Japan gewidmet. Die Beziehung zwischen Japan und Korea, die seit der japanischen Besatzung Koreas durchzogen von Rassismus und Vorurteilen ist. Der Film beginnt temporeich und wird aus der Perspektive Sugiharas erzählt. Der Zuschauer darf mit dieser Figur mitfühlen, sich in sie hineinversetzen und mit ihr Freude, Liebe, Einsamkeit, Aggression und Wut teilen. Immer wieder wird betont, dass es sich um eine Liebesstory handelt. Vor allem im, mit schnellen Schnitten und forcierender Musik gestalteten ersten Teil des Filmes würde man selber eher nicht auf diese Idee kommen. Nachdem der Hauptdarsteller seine Liebe kennen lernt, wird dem Film kurzzeitig ein wenig Fahrt genommen, um die Liebesgeschichte besser wirken zu lassen. Trotzdem wird der Film niemals kitschig oder gar schnulzig. Vielmehr ist "Go" ein sehr stylischer und cooler Streifen, dem es niemals an Action oder überraschender, da unerwarteter Härte mangelt. Die Schauspieler agieren überzeugend und konnten diesen sieben Jahre alten Film als Antriebsfeder ihrer Karrieren nutzen.
Dieser Film ist durchzogen von dem "Romeo und Julia"-Schema, einer Liebe die es nicht geben darf ohne ersichtliche vernünftige Gründe. Den jungen Protagonisten bleibt es somit überlassen, den Gegenbeweis anzutreten. "Go" pendelt zwischen actionreichen und gewaltbetonten Szenen, amüsanten Momenten und dem Liebesdrama hin und her, bleibt dabei immer unverbraucht und unvorhersehbar. Wer sich von dem japanischen Originalton und den Untertiteln nicht abschrecken lässt bekommt einen wirklich hervorragenden Film präsentiert, der es mehr als wert ist mit Aufmerksamkeit bedacht zu werden. Freunde des japanischen Kinos werden dieses Kleinod sicher schon kennen, alle anderen sollten sich wirklich einmal an diesen Streifen wagen. Die Story wurde gekonnt von einer Buchvorlage adaptiert und lässt kaum einen Grund zur Kritik zu. Die Extras der ansonsten vorbildlichen DVD fallen leider sehr spärlich aus, aber es kommt ja auch mehr auf den eigentlichen Film an. Björn
Go Japan 2001, ca. 123 Min. Regie: Isao Yukisado Produktion: Masao Sato, Mitsuru Kurosawa Drehbuch: Kankuro Kudo, Buchvorlage: Kazuki kanrshiro, Kazuki Kinjo Mit: Yosuke Kubozuka, Kou Shibasaki, Tsutomu Yamasaki, Shinobu Otake, Takato Hosoyamada
DVD Anbieter: Rapid Eye Movies FSK: 16 Bildformat: 1,85:1 (16:9) Tonformat: Japanisch DD 2.0 (deutscher Untertitel) Extras: Kinotrailer, Poster
|
| |
|