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 DVD+Kino : Yuva DVD
Geschrieben von Morris am 21.11.2006 11:10 (649 mal gelesen)

„Halt gefälligst dein Maul, Grünhemd, sonst misch ich rot zu deinem grün, und du bist unten gelb!“ Ja, auch in Bollywood wird der Ton rauer! Irgendwo in den Straßen Calcuttas: Auf einer Brücke wird ein Motorradfahrer angeschossen. Zeuge ist ein Mann, der gerade seiner Angebeteten einen Antrag macht. Der Täter heißt Lallan Singh und ist ein ziemlich harter Hund, der auch ohne mit der Wimper zu zucken seine Freundin aus der Obhut ihrer Familie herauseist, nur um sie dann eiskalt auflaufen zu lassen…

Besagtes Attentat ist der Ausgangspunkt für die Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichte von drei Männern, die in die Szenerie verwickelt waren. Lallan wird von dem Politiker Projonjit Bannerjee angeheuert, für ihn gewisse Aufträge auszuführen. Davon kann ihn selbst seine ehrliche Freundin Sashi nicht abhalten. Beseitigen soll er nach einigen kleineren Aufträgen den Studentenführer Michael, der Bannerjee mit seinem Beharren auf einer Politikerkarriere unbequem geworden ist. Denn als einer, der selbst Student ist, könnte Michael wohl weit besser auf studentische Bedürfnisse eingehen als Bannerjee. Michael hat eine ziemlich burschikose Freundin namens Radhika, die ihn aber unterstützt. Arjun, der zum Zeitpunkt des Attentats gerade in seine Anbeterei vertieft war, hat ebenfalls ein Problem. Gerade, als er ein Stipendium für die USA bekommen hat, verliebt er sich in Mira, die bereits einem anderen versprochen ist. So sehr er seinen USA-Aufenthalt will, so sehr will er nun bei Mira bleiben. Doch die lässt sich nicht so einfach überzeugen, schließlich hat sie ja schon einen Bräutigam in spe…

Ja, so ist das Bollywood-Kino, da fliegt der Schicksalshammer wild umher, die Story schlägt Haken um Haken, und die Gefühle brodeln über. Wem das allein zu schmonzettig wäre, der bekommt hier noch einen harten Gangstertypen nebst diversen Intrigen geliefert (na ja, hart für Bollywood), der nebenbei für ein paar nette Martial Arts-Einlagen sorgt. Die Ereignisse, die zu dem Attentat führen, werden für jeden der drei Männer einzeln erzählt. Die verschiedentlich geäußerten Assoziationen zu „Amores Perros“ sind also nicht so weit hergeholt. Wenn jemand inzwischen weiß, wie man einen epischen Kinofilm aufzieht, dann sind das wohl die Vertreter aus Bollywood. Unglaublich, wie das Schicksal hier austeilt. Das wird mit einer absichtlich verwackelten Kameraführung umgesetzt, dass man manchmal schon der Seekrankheit anheim zu fallen droht. Dazu kommen die Musikeinlagen, die von fetzigen Disco-Stompern bis zu psychedelischen Einlagen so gut wie alles bieten. Da kann auch der finstere Lallan nicht wiederstehen und schwingt beizeiten eine heiße Sohle. So hip gestylt und so schnell geschnitten der Film auch sein mag, von der indischen Realität ist das, so scheint es mir, so weit entfernt wie Currywurst von Kulfi Falooda. Vor allem, wie sich die abenteuerlichsten Ereignisse in letzter Sekunde doch noch zum Guten wenden, das kennt man so nur noch von Hollywood-Epen.

Für die Freunde solcher Unterhaltung sollte „Yuva“ - das heißt Jugend - eine Entdeckung sein, hat er doch alles, was in einen ordentlichen Bollywood-Schinken gehört. Dramatik, Action, Spannung, Musik - alles im Übermaß drin, und Regisseur Mani Ratnam scheint darin ein Meister zu sein, wie man in dem in den Extras enthaltenen Interview, das scheinbar fürs indische Fernsehen aufgezeichnet wurde, sehen kann. Der hat „Yuva“ sogar zweimal gedreht - eine Leistung, wenn man bedenkt, wie aufwendig mit –zig Komparsen viele Szenen umgesetzt wurden. Die zweite Fassung, mit anderen Hauptdarstellern, entstand in tamilischer Sprache. Es wäre für den Fan bestimmt interessant gewesen, beide Fassungen miteinander zu vergleichen. Dazu gibt’s noch einen Trailer und eine deleted scene, in der Lallan seinen Komplizen vom Attentat durch die überfluteten Straßen von Kalkutta verfolgt und dann zusammenschlägt. Da merkt man wieder, wie wenig man von der Materie weiß, denn diese Überflutung wird an keiner Stelle erwähnt, das scheint dort also vollkommen normal zu sein, dass man nach dem Monsunregen durch wadenhohes Wasser zu seiner Wohnung waten muss. Morris

Yuva
Indien 2004
Regie: Mani Ratnam
Produktion: Mani Ratnam, G. Srinivasan
Drehbuch: Anurag Kashyap, Mani Ratnam
Musik: A.R. Rahman
Kamera: Ravi K. Chandran
Mit: Ajay Devgan, Abhishek Bachchan, Vivek Oberoi, Om Puri, Rani Mukherjee, Esha Deol, Anant Nag, Kareena Kapoor, Vijay Raaz

DVD:
Anbieter: Rapid Eye Movies
FSK: 12
Bildformat: 1:2,35 (16:9 anamorph)
Tonformat: Deutsch & Hindi (Indisch) Dolby Digital 5.1 (optionale deutsche Untertitel)
Extras: Deleted Scene; Interview mit Mani Ratnam; TV-Clips; Kinotrailer
DVD kommt in Digipack




 

 
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